Kalenderblatt – Juni 2009

2009 soll sie starten: Die Verwandlung des Hauptbahnhofs in einen Shoppingpalast und Konsumtempel der Extraklasse. Leipzig, Frankfurt, Hamburg, Köln …: Auch Münster will seine Einkaufserlebniswelt mit Gleisanschluss im nobel-schicken Design aus Glas und Edelstahl. Neben dem Prestige-Zug-Pferd ICE sind die abermillionenschweren Luxussanierungen von Bahnhöfen zu edlen Shopping-Malls DAS Marketing-Aushängeschild der teilprivatisierten Deutschen Bahn AG. Abgehängt wird dabei auf der Reise an die Börse der Versorgungsauftrag im Regional- und Nahverkehr.
Der Luxusphönix aus der Asche hinterlässt zudem in jeder Stadt verbrannte Erde. Hinter der glänzenden Glitzerglasfassade atemberaubender, unendlich weiter, nie zuvor gesehener Warenwelten und dem wolkig-weissen Capuccinoschaum in der DB-Lounge wird verbissen gegen alles gekämpft, was das heilig-heile Shoppingerlebnis stören könnte: Obdachlose, Punks, DrogenkonsumentInnen, illegale MigrantInnen. „Obdachlose gehören nicht in den Bahnhof“, verkündete einst Bahn-Chef Mehdorn – auf monatlich ca. 65.000 Hausverbote, 800 Strafanzeigen und 500 vorläufige Festnahmen bringen es Bundespolizei und DB-eigene Sicherheitsdienste bundesweit. Ein erheblicher Teil dieser „Sicherheitsmaßnahmen“ trifft Randgruppen und Menschen, deren Flucht vor Bürgerkrieg und Armut im Netz der Schleierfahndung und Videototalüberwachung endet – zu den sanftschmeichelnden Klängen von Ambient und Smooth Jazz.

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