19 Tage Soziales Zentrum

Frontansicht

Frontansicht

Es kam, wie es aus städtischer Sicht kommen sollte. Unmittelbar nach der Räumung der besetzten Gebäude am Mittelhafen rollten die Abrissbagger an. Zurück bleibt einmal mehr ein Schutthaufen…

Die Wiederbelebung der leer stehenden Stadtwerke-Gebäude dauerte zwar nur 19 Tage, ermöglichte aber vielen Menschen verschiedenen Alters einen tieferen Einblick in den Alltag eines soziokulturellen Zentrums. Jeden Tag kamen interessierte Personen vorbei, beteiligten sich an Plena und Arbeitsgruppen, besuchten Workshops, Konzerte und „Küche für Alle“ oder tranken Kaffee und besichtigten die Gebäude. Konnte sich das Kultur- und Veranstaltungsprogramm an der Grevener Straße durch die Einschränkungen der Wohnbebauung nur teilweise entfalten, lieferte das „Q8“ einen idealen Ort, um unkommerzielle und selbstverwaltete Strukturen aufzubauen und zu leben.

Rechts die Halle

Rechts die Halle

Gerade diese Alternative hätte dem „Kreativ-Kai“ zu seiner wahren Bedeutung verhelfen können – so bleibt er in erster Linie eine auf Gewinn ausgerichtete Flaniermeile.
Als Abrissargument diente den Aufsichtsratvertreter_innen der Stadtwerke die Nähe zum Gefahrengutlager Lehnkering – ihrer Meinung nach dürfte der Betrieb eines Zentrums nicht erlaubt werden. Allerdings misst hier die Stadt mit zweierlei Maß: Entspricht es ihren wirtschaftlichen Interessen, erteilen die Behörden Genehmigungen für die gewerbliche Nutzung, Anderenfalls würde der ebenfalls innerhalb der Sicherheitszone liegende „Kreativ-Kai“ so nicht existieren.

Was in anderen Städten längst zum festen Bestandteil des soziokulturellen Lebens gehört, wird in Münster konstant ausgesessen. Die Frage nach der Notwendigkeit eines selbstverwalteten Zentrums, in dem Menschen ihre Ideen gleichberechtigt einbringen und verwirklichen können, scheint sich lediglich die Ratsmehrheit aus CDU und FDP noch zu stellen. Denn seit der Nutzung der ehemaligen Uppenbergschule im Jahre 2000 ist der Zuspruch in der Münsteraner Bevölkerung für Freiräume, die nicht marktwirtschaftlichen Standards unterliegen, kaum noch zu überhören.
Anstatt sich an millionenschweren Großprojekten wie der Musikhalle zu orientieren, sollte die Stadt sich vielmehr der alltäglichen Bedürfnissen der Menschen bewusst werden – hierzu zählt auch das geforderte Zentrum.

kreativ sind wir selbst

kreativ sind wir selbst

Die Konzepte wurden unlängst von ask e.V. bei Verwaltung und Parteien eingereicht. Wir als Besetzer_innen unterstützen dieses „legale“ Vorhaben zwar, zweifeln aber angesichts der Aussagen der Verwaltung „Was da gefordert wird, gibt der Markt einfach nicht her“ und den anschließenden „Alternativangeboten“ (viel zu teuer und unter 150 qm) am politischen Willen. Denn Fakt ist, dass die Stadt im Besitz geeigneter Objekte ist, diese aber lieber für ihre selbst verschuldete Haushaltsmisere veräußern will, leer stehen lässt oder abreisst.
Die Schutthalden an der Grevener Straße und am Mittelhafen spiegeln nur einen Teil der schwarz-gelben Wohnungsbau- und Sozialpolitik wider, die in den letzten 10 Jahren zu einer Halbierung der Zahl an Sozialwohnungen und einer erheblichen Mittelkürzung für sozial und kulturell tätige Initiativen und Vereine geführt hat.

Wir machen weiter!

Wir machen weiter!

Wir werden weiterhin für unkommerzielle Freiräume und gegen eine Politik kämpfen, die uns durch Kriminalisierung einzuschüchtern versucht und Leerstand lieber abreißt, als ihn einer kreativen Nutzung zu überlassen!

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Auch hier wieder ein paar neue Parolen zum Üben für’s nächste Mal:

– Stein für Stein, Schutt für Schutt – macht ihr euch die Stadt kaputt
– Ruft schon mal die Bagger an – das nächste Haus das ist bald dran
– Jetzt Q8, davor Versetzt – von uns geliebt von euch zerfetzt
– Autonomes Zentrum unser Traum – Gebt der Jugend einen Raum

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