Stadt Nordwalde verspricht Opfern des Brandanschlags eine Wohnung

In der Nacht vom 12. auf den 13. November 2007 kam es in Nordwalde zu einem versuchten Mordanschlag auf die Flüchtlingsfamilie Shala. Nur durch Zufall kamen bei dem rassistisch motivierten Brandanschlag auf den Wohncontainer, in dem die Familie derzeit am Rande von Nordwalde lebt, keine Familienangehörigen körperlich zu Schaden.

Doch die Familie lebte und lebt seit diesem Anschlag ein Leben in Angst. Da der weitere Aufenthalt im Container für die Familie aufgrund der furchtbaren Ereignisse psychisch untragbar wurde und zum damaligen Zeitpunkt weder von den Behörden der Stadt Nordwalde noch von der Bevölkerung der Stadt ernstzunehmende Unterstützung für die betroffene Familie existierte, startete die Antifaschistische Aktion Münster im Dezember eine regionale Solidaritätskampagne. Hauptziel war, dem Wunsch der Eltern und der Kinder nach einer Wohnung im Zentrum der Stadt – in der relativen Sicherheit nachbarschaftlicher Zusammenhänge – Nachdruck zu verleihen.

Innerhalb von nur knapp einer Woche erklärten sich 25 Initiativen, Gruppen und Organisationen sowie einige Einzelpersonen solidarisch mit der betroffenen Familie und unterstützten die Kampagne. Die Solidaritätserklärung mit den Namen aller bis zu diesem Zeitpunkt bekannten Unterstützerinnen und Unterstützern wurde wenige Tage vor Weihnachten den zuständigen Behörden der Stadt, den Bürgermeistern und Fraktionsvorsitzenden aller Parteien in Nordwalde sowie zahlreichen regionalen Medien zugestellt.

Laut Auskunft eines Familienmitglieds haben inzwischen die zuständigen Behörden von Nordwalde der vom Brandanschlag betroffenen Familie für März diesen Jahres eine angemessene Wohnung in Nordwalde in Aussicht gestellt. Damit wäre dann zumindest die zentrale Kampagnenforderung an die städtischen Behörden von Nordwalde – endlich – erfüllt.

Wir – das Antifa Netzwerk – freuen uns für die Familie Shala ! Wir werden selbstverständlich im Auge behalten, ob die Stadt ihr Versprechen auch tatsächlich einhält und gegebenenfalls im Rahmen unseres Netzwerkes die Kampagne der Antifa Münster weiterführen.

Familie Shala, die Antifaschistische Aktion Münster und wir danken herzlich den zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern, die ihre Solidarität mit der Familie bekundet haben.

Doch das generelle Problem bleibt weiterhin bestehen: Flüchtlinge werden durch separierende Wohnformen wie z. B. Wohncontainer oder Flüchtlingslager stigmatisiert und ausgegrenzt. Die inzwischen übliche Platzierung von Flüchtlingsunterbringungen in abseitige Wohnlagen macht zudem augenfällig, wer hier (noch) „dazu“ gehört und wer außen vor zu bleiben hat. Faktisch wird so durch räumliche Ausgrenzung der – sowieso schon politisch gewünschte und in vielerlei weiteren Formen verwirklichte – Ausschluss vieler Flüchtlinge von weiten Teilen des alltäglichen gesellschaftlichen Lebens noch zusätzlich unterstrichen. Die heimliche Botschaft, zu wem es besser ist, generelle Distanz zu halten, wird sicherlich von vielen Menschen in der Bevölkerung verstanden.

Sicherlich: Allein die Abschaffung der ausgrenzenden und diskriminierenden Zwangsunterbringung von Flüchtlingen in Wohnformen wird die meisten der alltäglich stattfindenden rassistischen Übergriffe auf Flüchtlinge nicht verhindern.
Dennoch gilt: Umso leichter wird zum Ziel rassistischer Übergriffe, wer – auch befördert durch seine Unterbringung irgendwo im Nirgendwo – als „unerwünscht“, als „die da draußen“ und „die da hinten“ abqualifiziert wird.

Deshalb bleibt die Abschaffung aller separierenden Sonderunterbringungsformen für Flüchtlinge auch in Zukunft eine unserer antirassistischen Forderungen und eines unserer politischen Ziele !

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