Emsdetten: Antirassistische Solidemo am 15.03.2014

[gemeinsame Abfahrt]: Wir wollen gemeinsam nach Emsdetten fahren. Da es leider nur Schienenersatzverkehr gibt, treffen wir uns bereits um 14Uhr vor dem Hauptbahnhof Münster an der Uhr. Bitte seid pünktlich!

Am 15.03.2014 wird in Emsdetten eine antirassistische Solidemo stattfinden.
Thematisiert werden sollen die Zustände für die Arbeiter_innen der Firma „Sprehe“ in Emsdetten. Näheres zu den Missständen, sowie zu der Demonstration könnt ihr hier nachlesen. Angemerkt sei noch, dass wir es sehr begrüßenswert finden, dass die Demonstration in enger Rücksprache mit den Betroffenen organisiert wurde und die ersten Reihen von diesen gestellt werden sollen.

Wir haben im Folgenden den Demo-Aufruf des „Offenes Antirassistisches Treffen Emsdetten“ dokumentiert und rufen hiermit natürlich auf am 15.03.2014 nach Emsdetten zu fahren.

Grafik

De­mons­tra­ti­ons­auf­ruf:

Deutsch­land­weit steht die Fleisch­bran­che in Ver­ruf und das nicht ohne Grund. Wan­der­ar­bei­ter_in­nen aus Ost­eu­ro­pa sind in Schlacht­hö­fen und Zer­le­ge­be­trie­ben längst Mehr­heit. Ihre Ar­beits­be­din­gun­gen und Löhne sind mi­se­ra­bel. So auch in Ems­det­ten: Die Firma „Fine Food“ gab Teile des Be­trie­bes in die Hände von Sub­un­ter­neh­mer_in­nen, womit die Firma selbst nicht mehr die Ver­ant­wor­tung für die dort Be­schäf­tig­ten trägt. Die Ar­beits­be­din­gun­gen in die­sen Sub­un­ter­neh­men sind ver­hee­rend: 10-18 Stun­den-​Schich­ten, mi­ni­ma­le Löhne, keine Ar­beits­ver­trä­ge und Kran­ken­ver­si­che­run­gen, man­gel­de Schutz­klei­dung, völ­li­ge Iso­la­ti­on von der Au­ßen­welt. Die Be­triebs­rä­te sind macht­los – dür­fen sich nicht ein­mi­schen

Täg­li­che Schi­ka­ne und die Ver­ein­zelung der Be­trof­fe­nen schaf­fen ein Sys­tem der Angst, aus dem sie sich meist selbst nicht mehr be­frei­en kön­nen. Der Gang zum Rat­haus und zum Kran­ken­haus wird un­ter­sagt, eine Ver­bin­dung zur „Au­ßen­welt“ somit wei­ter ver­un­mög­licht. Wer Pro­ble­me hat oder macht, wird ein­fach in einer Nacht-​ und Ne­bel­ak­ti­on zu­rück ins Hei­mat­land ge­bracht.


Un­mensch­li­che Wohn­ver­hält­nis­se

Nicht nur die Ar­beits­be­din­gun­gen, auch die Wohn­ver­hält­nis­se der Ar­bei­ter_in­nen sind men­schen­un­wür­dig. Es gibt bis heute keine Er­klä­rung zu den Miet­ver­hält­nis­sen – Miet­ver­trä­ge sind nicht vor­han­den und bis­her wur­den hier­für zum Teil un­be­kann­te Be­trä­ge von den bar aus­ge­zahl­ten Löh­nen ab­ge­zo­gen. Bis zu 14 Men­schen leben in klei­nen 3-​Zim­mer-​Woh­nun­gen, schla­fen teil­wei­se zu zweit in einem Bett. Dabei spre­chen die Be­trof­fe­nen häu­fig nicht ein­mal die glei­che Spra­che – so­zia­le Kon­flik­te sind ab­seh­bar und vor­pro­gram­miert.

Aus­blei­ben­de Löhne

Vor ei­ni­ger Zeit hat ein Sub­un­ter­neh­men von „Fine Food“ In­sol­venz an­ge­mel­det und für bei­na­he zwei Mo­na­te wur­den keine Ge­häl­ter ge­zahlt. Die Ar­bei­ter_in­nen konn­ten sich nicht mehr selbst ver­sor­gen und waren auf Le­bens­mit­tel-​ und Sach­spen­den durch Au­ßen­ste­hen­de an­ge­wie­sen. In Zu­sam­men­ar­beit mit der Tafel, der In­itia­ti­ve „Bür­ge­rin­nen und Bür­ger für Hu­ma­ni­tät und Blei­be­recht“ und durch pri­va­te Spen­den hat das Of­fe­ne An­ti­ras­sis­ti­sche Tref­fen Ems­det­ten den Be­darf an Nah­rungs­mit­teln größ­ten­teils de­cken kön­nen. Doch das kann und darf keine Dau­er­lö­sung sein.

Neue Ver­trä­ge – Wei­ter­hin pre­kä­re Ar­beits­ver­hält­nis­se

Die neuen Ar­beits­ver­trä­ge sind laut NGG teil­wei­se rechts­wid­rig. Wei­ter­hin be­ste­hen pre­kä­re Ar­beits­ver­hält­nis­se und die Ver­trä­ge er­lau­ben den Ar­beit­ge­ber_in­nen, will­kür­lich über die Ar­bei­ter_in­nen zu ver­fü­gen.
So kann der Ar­beit­ge­ber, ohne An­ga­be einer Frist, Ar­bei­ter_in­nen in ganz Deutsch­land sta­tio­nie­ren und von heute auf mor­gen kann je­de_r Werk­ver­trags­ar­bei­ter_in davon be­trof­fen sein. Wenn sich die neue Firma und Spre­he damit brüs­ten, dass der ge­zahl­te Lohn sogar über dem Min­dest­lohn liege, soll­te mensch dazu sagen, dass das nur zu­trifft, wenn „An­we­sen­heits­prä­mie“ und Ak­kord­prä­mie“ ge­ne­rell hin­zu­ge­rech­net wer­den. Au­ßer­dem wurde uns be­rich­tet, dass noch immer viel zu lange Schich­ten über­nom­men wer­den müs­sen und dass wei­ter­hin du­bio­se Dro­hun­gen und „Ver­hal­tens­stra­fen“ durch den Vor­ar­bei­ter ge­tä­tigt wer­den.


Un­se­re For­de­run­gen:

Wir for­den, dass die Wohn­be­din­gun­gen durch Spre­he ra­di­kal ver­bes­sert wer­den – die Un­ter­brin­gung der Ar­bei­ter_in­nen muss men­schen­wür­dig sein.

Wir for­dern eine un­ver­züg­li­che Aus­zah­lung der aus­ste­hen­den Löhne aus 2013 und 2014 – Au­ßer­dem for­dern wir nach­voll­zieh­ba­re Lohnab­rech­nun­gen in den je­wei­li­gen Lan­des­spra­chen.

Wir for­dern die Firma Spre­he auf, die Aus­beu­tung der ost- und süd­eu­ro­päi­schen Men­schen, die in ihrem Un­ter­neh­men ar­bei­ten, zu be­en­den und sie zu­kün­fitg mit fes­ten Ar­beits­ver­trä­gen mit ta­rif­li­cher und so­zia­ler Ab­si­che­rung nach hier gül­ti­gem Ar­beits­recht zu be­schäf­ti­gen. Ein 3-​Klas­sen-​Sys­tem aus Fest­an­ge­stell­ten, Lei­h­ar­bei­ter_in­nen und Werk­ver­trags­be­schäf­tig­ten ist nicht zu to­le­rie­ren.

Auf Na­tio­nal­flag­gen oder Ob­jek­te die be­frei­ungs­na­tio­na­lis­ti­sche Kämp­fe be­wer­ben oder ver­herr­li­chen, möch­ten wir je­doch ver­zich­ten. Wei­ter­hin ma­chen wir dar­auf auf­merk­sam, dass Nazis und Per­so­nen, die sich ras­sis­tisch, se­xis­tisch, ho­mo­phob, an­ti­se­mi­tis­tisch oder in sonst einer dis­kri­mi­nie­ren­den Weise äu­ßern oder ge­äu­ßert haben, der Zu­gang zu der Ver­an­stal­tung ver­währt wird.

Dieser Beitrag wurde unter (Anti-)Rassismus, Allgemeines, Termine abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar