Prozess gegen die Brandstifter von Hopsten: Milde Strafen und nichts geklärt

In Ibbenbüren fand am 17.11.2012 der Prozess gegen die 6 Personen statt, die im April einen Brandsatz auf das Wohnhaus einer mehrheitlich aus Albanien stammenden Familien geworfen hatten. Der Prozess war gekennzeichnet von Ignoranz, rassistischen Sprüche und einer aktiven Nicht-Auseinandersetzung mit den Motiven der Täter. Verurteilt wurde wegen versuchter schwerer Brandstiftung bzw. Beihilfe zu dieser.

6 junge Männer zwischen 15 und 22 Jahren treffen sich, bauen einen Molotov-Cocktail, überlegen sich auf was sie ihn werfen sollen und wählen die Wohnung einer albanischen Familie. Zwei von ihnen bekommen 50m vorher Skrupel und entfernen sich von den anderen. Die anderen 4 gehen weiter und werfen den Brandsatz auf den Balkon.

Was mit Molotov-Cocktails passiert wussten sie. Bereits im Januar hatten einige von ihnen einen gebaut und auf einem ALDI-Parkplatz getestet. Nur weil der Brandsatz gegen das Wohnhaus zufällig auf einer Matratze landete, explodierte er nicht, sondern entzündete diese langsam.

Die Motive

Soweit zum unwidersprochenen Tatgeschehen. Die Motivation bleibt allerdings weiterhin unklar. Bei der polizeilichen Vernehmung gab einer der Täter Rache als Motiv an. Mindestens einer der Täter gab zudem als Motiv an, dass Ausländer in Hopsten nichts zu suchen hätten. Diese Aussage wurde bei dem Prozess schlicht nicht erwähnt. Die anderen äußerten sich gar nicht dazu. Dies wurde in keinster Weise von Staatsanwaltschaft oder Richter hinterfragt. Stattdessen ging der Richter selbst seinem Rassismus nach, als er erwähnte, dass er ganz erstaunt war in was für einem ’normalen‘ Haus die Familie wohnt, man hätte ja so Bilder im Kopf, wie ‚die‘ wohnen würden.

Die Jugendgerichtshilfe erklärte deutlich, keinen rechten Hintergrund der Täter zu sehen. Woher sie diese Einschätzung nahm, legte sie allerdings nicht dar. Alle freuten sich darüber, dass ‚kein Hopstener NSU zugeschlagen hat‘ und ‚kein rechtsradikaler Anschlag auf eine Asylbewerberheim‘ durchgeführt wurde.

Das hatte allerdings auch zu keiner Zeit irgendwer behauptet. Es beweist lediglich die Blindheit mit der sowohl Staatsanwaltschaft, als auch der Richter durch die Gesellschaft schreiten. Mensch muss kein ausgewachsener Nazi sein, um rassistisches Gedankengut zu haben und zu vertreten. Nazis stehen nicht außerhalb der Gesellschaft, sondern ziehen ihre Ideologien aus der Mitte dieser. Rassismus ist kein Randphänomen, sondern ein gesamtgesellschaftliches.

Die Täter wurden nicht gefragt ob sie gegen alle, mit denen sie je Konflikte hatten, mit Molotov-Cocktails vorgegangen sind. Und wenn nicht, warum dann gerade gegen diese Familie? Hatten überhaupt alle einen Konflikt mit ihnen? In der Vernehmung wurde das nicht deutlich. Auch nicht gefragt wurde, was die Absicht der Brandstiftung war. Da sie wussten, dass Molotov-Cocktails explodieren, musste ihr Ziel gewesen sein, dass das Haus Feuer fängt. Hier lediglich wegen versuchter Brandstiftung zu verurteilen und nicht wegen versuchtem Mord ist ein Hohn der betroffenen Familie gegenüber.

Urteile

Alle unter 21Jährigen wurden zu zwischen 60 und 140 Sozialstunden verurteilt. Der 22 Jährige zu 9 Monaten auf Bewährung. Zudem müssen sie sich bei der Familie entschuldigen und ein Anti-Gewalt-Training durchführen. Ersteres begrüßen wir, letzteres verstehen wir nicht. Immerhin war die Tat kein Ausdruck von impulsgesteuerter Aggressivität, sondern von ruhiger Planung.

Wir sind nicht zufrieden mit dem Prozess. Deutsche Täter lernen weiterhin, dass sie machen können was sie wollen, höchstens ein paar Sozialstunden zu befürchten haben, wenn sie Menschenleben gefährden. Da spricht die deutsche, rassistische Ignoranz.

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