NPD-Kundgebung: Nazis raus! Aber wohin?

Bericht zur Kundgebung gegen die NPD in Münster am 15.08.2013

Für heute (Donnerstag) um 15 Uhr hat die NPD in Münsters Innenstadt ein Kundgebung angekündigt. Also hin mit uns!

Kundgebung in der Innenstadt

Absperrung

Am Stadthaus I haben sich viele Menschen zusammengefunden, um gegen die NPD zu demonstrieren. 1200 sagen die Veranstalter*innen. Sehr schön. Die Stimmung ist gut, erst mal ankommen, unterhalten. Gestört wird die Stimmung von Polizist*innen in Zivil, welche die ganze Zeit umherwuseln. Nervig. Haut ab!

Und jetzt heißt es warten. Beim letzten Mal hat es schon Ewigkeiten gedauert bis die Faschos aufgetaucht sind. Und warten kann nerven. Um halb vier dann die Info: Die Kundgebung der NPD findet am Schlossplatz statt. Was, wie, warum und warum? Was soll der Scheiß? Ach egal, keine Zeit sich zu ärgern, ab zum Schlossplatz. (Anmerkung: Die Cops haben nicht Bescheid gesagt, dass die NPD nicht in die Innenstadt kommt; das ist dem Infoticker zu verdanken *thumbs up*)

Kundgebung am Schlossplatz

Am Schlossplatz dann: Mehr oder weniger vollendete Tatsachen gestellt. Die NPD war mit ihrem LKW und zwei Begleitfahrzeugen schon da. Flatterbänder drumherum. Polizeitaktik „Fakten schaffen“. Kluge Cops hätten mit der spontanen Verlegung der Gegenkundgebung aus der Innenstadt zum Schlossplatz gerechnet und sich dementsprechend darauf vorbereitet. Aber so schienen die anwesenden Polizist*innen überfordert, als die ersten Menschen Richtung NPD-Flaggschiff liefen. Macht nix, die mangelnde Voraussicht konnte mit Aggressivität von Cops wieder gut gemacht werden.

Der Platz der Nazikundgebung (50×20 Meter) war wie im letzten Jahr nur mit Flatterband abgetrennt. Ein Unterschied zu damals ist, dass heute mittig und freiliegend auf dem großen Schlossplatz ein Rechteck abgesperrt wurde und die Nazis somit von allen vier Seiten zugänglich waren. Das war wohl ein Geschenk, vielen Dank. Während der Kundgebung selbst flogen durchgehend Eier, Obst und Gemüse, der leichte Regen war nicht der einzige Grund der Nazis für Regenschirme. Dem Geruch nach lagen einige Eier nicht erst seit gestern gammelnd im Kühlschrank (allzeit bereit). Auch in Sachen Lautstärke konnten Nazis nicht ansatzweise mitziehen. Durchgehendes Pfeifen, Rufen, Trommeln und sonstiger Lärm ließen kaum einen Hetzlaut aus dem Nazikessel entweichen und bereits am Anfang der Frauenstraße verfing sich der Schall der Nazis in den Häusern. Und dieses Lautstärkeniveau wurde während der gesamten Nazikundgebungszeit durchgehalten. So muss das.

Nazis raus!

Nach einer knappen Stunde Müllgebrabbel haben die Nazis dann auch endlich ihre Sachen gepackt und wollten wegfahren. Aber wohin? Komplett eingekesselt durch Gegendemonstrant*innen ging zunächst kein Weg. Spontane Sitzblockaden und trotzige Menschen machten einfach keinen Platz, damit die Nazis ihr lecker Abendessen nach einem anstrengenden Tag sonst wo einnehmen können. Jegliches Wenden des NPD-LKW verriet den nächsten Schritt und Versuche der Polizei einen Durchgang zu schaffen scheiterte an der engagierten und mobilen Zivilgesellschaft. Nach einer Stunde dann schien erst mal die Hektik raus. Die 11 lächerlichen Nazis müssen hier bleiben und warten. Wann ihr fahren dürft ist unsere Sache, das habt ihr nicht zu entscheiden! Ihr Arschlöcher. Langeweile und ein wunderbares Duett des Nazinervtötens durch ausdauernde Trommler*innen und einen selbstbewussten Menschen am Megafon gaben den Nazis das, was ihnen gebührt – Frustration und blanke Nerven. Sehr schön zu beobachten an dem Wechsel zwischen wilden Gesten, Kopfschütteln und Augen verschließen im Führerhäuschen des Flaggschiffs. Zynisch schön in diesem Zusammenhang das Schild vor dem LKW mit der Aufschrift „Nazis verpisst euch!“.

Mit den Stunden verkleinerte sich die Menge vor den Nazis immer mehr, was der Stimmung zwar keinen Abbruch tat, aber natürlich auch nicht den geifernden Blicken der Cops entging. Nach gut drei Stunden sahen diese endlich ihre Chance und prügelten verbliebenen Blockierer*innen weg. Das war’s dann wohl leider. Die Nazis konnten sich auf den Heimweg machen, natürlich nicht ohne einen gebührenden Mob, der sie noch ein Stück begleitete.

Was bleibt

Was bleibt, ist vor allen Dingen die engagierte Zivilgesellschaft Münsters. 1200 Menschen oder mehr haben ihren Protest gegen Nazis trotz kurzfristiger Mobilisierung entschlossen, konsequent und lautstark auf die Straße vor die Nazis getragen und dabei gezeigt: Nazis können in Münster keinen Meter weit gehen, ohne auf Gegenwehr zu stoßen. Das macht Mut und ist ein Grund zu feiern!

Unschön ist, dass mindestens drei Menschen festgenommen wurden. Wir wünschen ihnen alles Gute!

Wir danken allen, die in vorherigen Städten bereits den Nazis den Tag versaut haben und wünschen insbesondere Osnabrück morgen einen ebenso erfolgreichen Tag. Haut rein!

Keinen Fußbreit dem Faschismus!

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