Kundgebung in Ibbenbüren: Das Problem heißt Rassismus

 

Foto der Kundgebung

Foto der Kundgebung

Ibbenbüren. 30 Mitglieder antirassistischer und antifaschistischer Gruppen aus dem Kreis Steinfurt und Münster haben am Samstag auf dem Markt in Ibbenbüren demonstriert. Anlass der einstündigen Kundgebung war der am Montag am Amtsgericht Ibbenbüren beginnende Prozess gegen sechs mutmaßliche Brandstifter aus Hopsten. Die Demonstrierenden warfen der Staatsanwaltschaft Münster vor, ein mögliches rassistisches Motiv für den Brandanschlag vorschnell ausgeschlossen zu haben und die Tat somit zu entpolitisieren. Sie forderten „Rassismus erkennen, benennen und bekämpfen!“

„Molotow-Cocktails sind keine Dumme-Jungen-Streiche“ stand auf einem Transparent, dass die Demonstrierenden am Samstag zeigten. Die sechs angeklagten jungen Männer sollen in der Nacht des 13. April gemeinschaftlich einen solchen Brandsatz gebaut und auf den Balkon eines Hauses geworfen haben, in dem mehrheitlich aus Albanien stammende Familien wohnen. Nur weil das Feuer schnell entdeckt wurde, ist niemand verletzt worden. Bei ihrer polizeilichen Vernehmung äußerten sich einzelne Tatverdächtige dahingehend, dass „Ausländer“ in einem Ort wie Hopsten nicht zu suchen hätten. Die Staatsanwaltschaft Münster sieht allerdings nicht Rassismus, sondern „persönliche Reibereien“ und „Langeweile“ als ausschlaggebende Tatmotive an

Für die Protestierenden ist Position der Staatsanwaltschaft unverständlich und nicht hinnehmbar.  „Bei uns läuten allein bei dem Vorgehen und bei der Wahl der Wohnung der Betroffenen alle Alarmglocken. Die zusätzlich getroffenen Aussagen der Täter sprechen eine deutliche Sprache“, führte ein Redner auf der Kundgebung aus. Wer in der Nacht einen Molotow-Cocktail auf ein bewohntes Haus werfe, nehme den Tod der BewohnerInnen zumindest billigend in Kauf. Die Ausführung der Tat wecke zudem Erinnerungen an die rassistischen Brandanschläge in den 1990er Jahren, so die Antifa. 2007 hatten zwei junge Männer in Nordwalde einen Brandsatz auf eine Containerwohnung von Flüchtlingen geworfen. Auch in diesem Fall hatte die Staatsanwaltschaft eine rechtsmotivierte Tat schnell ausgeschlossen.

Ein weiterer Redebeitrag befasste sich mit rechter Gewalt in Deutschland. Zudem wurden Flugblätter an die interessierten Passantinnen und Passanten verteilt. Mit ihrer Aktion wollten sich die Demonstrierenden auch mit der betroffenen Familie solidarisieren. Anders als bislang angekündigt wird der Prozess am Montag öffentlich verhandelt. Die sechs Angeklagten müssen sich wegen „versuchter Brandstiftung“ verantworten. Die Antifa-Gruppen wollen den Prozess weiter beobachten und sich dafür einsetzen, dass Rassismus ernst genommen werde.

Gemeinsame Pressemitteilung
von „Emanzipatorische Antifa Münster“
und „Antifaschistische Linke Münster“

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