Erklärung zum Zeitzeugengespräch vom 8. Mai

Gegen_AntisemitismusAm Abend des 8. Mai 2009 lud ein lokales antifaschistisches Bündnis, an dem auch die EAM_LA beteiligt war, zu einem Zeitzeugengespräch. Anlässlich des 64. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus sprach Yakau Aronowitsch Raikhmann, jüdischer Zeitzeuge aus der Roten Armee, in der vollbesetzten Aula der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Münster. Herr Raikhmann berichtete unter anderem über den Antisemitismus während der Stalin-Ära und die beruflichen Diskriminierungen, denen er deswegen ausgesetzt war.

Im Anschluss an den eindrucksvollen Lebensbericht von Herrn Raikhmann gab es die Möglichkeit, Fragen aus dem Publikum an den Vortragenden zu stellen. Im Zuge dieser Publikumsfragen kam es seitens einer Person zu einer antisemitischen Äußerung und einer Beleidigung von Herrn Raikhmann.
Sinngemäß wurde durch die Person aus dem Publikum eine Trennung von Hand- und Kopfarbeit beschrieben, die das antisemitische Stereotyp reproduzierte, Jüdinnen und Juden wären ausschließlich im Bereich der Kopfarbeit tätig. Herrn Raikhmann wurde zudem in diesem Zusammenhang seine Äußerung, er wäre nicht gerne im Bergbau – also einem Bereich der Handarbeit – tätig gewesen, ausdrücklich zum Vorwurf gemacht. (Wir bemühen uns derzeit noch um den exakten Wortlaut des Gesprächsverlaufs und werden diesen – so er uns noch zugänglich wird – an dieser Stelle veröffentlichen.)

Unseres Erachtens zeigen solche Äußerungen deutliche Anklänge an das antisemitische Klischee, Jüdinnen und Juden wären prinzipiell zu „schaffender“, „produktiver“ Arbeit nicht fähig oder willens. Ob beabsichtigt oder nicht – wer solche Vorurteile unkritisch reproduziert, bietet Anknüpfungspunkte für ein ganzes Spektrum antisemitischer Diffamierungsketten und Hassgedanken: Die im Nationalsozialismus propagierte, eingebildete Trennung zwischen einem „schaffendem“, „guten“, „deutschen“ Kapital einerseits und einem „raffenden“, „bösen“, „jüdischen“ Kapital andererseits, den Ausschluss aller Jüdinnen und Juden aus der „schaffenden Volksgemeinschaft“ als angebliche „Blutsauger“ und „Schmarotzer“ etc. pp.

Wir, die Emanzipatorische Aktion Münster _ Lotta antifascista (EAM_LA), distanzieren uns ausdrücklich von dieser antisemitischen Äußerung und der Beleidigung des jüdischen Referenten. Wir hoffen auf die – längst überfällige – öffentliche Entschuldigung der Person aus dem Publikum, die für diesen enormen Fauxpas verantwortlich zeichnet.
Zudem behalten wir uns vor, im Wiederholungfall eine weitere Teilnahme dieser Person auf unseren zukünftigen Veranstaltungen oder auf Veranstaltungen, die von uns in Zukunft mitorganisiert werden, nicht mehr zu tolerieren.

Gegen jeden Antisemitismus.
Immer.
Überall.

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