Demosamstag in Münster: CSD und OccupyGezi

Gleich zwei Demonstrationen zogen am 15.06. durch Münsters Innenstadt, die kaum unterschiedlichere Ziele hätten haben können.

Zum erstem Mal seit Jahren organisierte das CSD-Team Münster eine Demonstration, die um 11 Uhr am Hauptbahnhof startete. Rund 250 Menschen zogen – größtenteils in bunte Farben gehüllt – bis zum Rathaus.

liebe ist liebe

liebe ist liebe

Um 13 Uhr begann am Servatiiplatz eine Demo von ca. 200 Leuten, die sich mit den Aktivist*innen in der Türkei solidarisierten und gegen die massive Polizeigewalt protestierten.

diren gezi park

diren gezi park

CSD

Dank der Trommelgruppe Queerelas war zumindest ein bisschen Stimmung auf der Demo. In den kurzen Trommelpausen kamen leider keine Parolen zustande und auch allgemein blieb die Demo größtenteils höchst unpolitisch und wurde von einer kaum zu steigernden Inhaltsleere geprägt.

queer ist mehr als ein partymotto

queer ist mehr als ein partymotto

Wenigstens ein paar Menschen versuchten mit Transpis zum Ausdruck zu bringen, dass es um mehr geht, als darum, dass zukünftig alle dem bürgerlichen Ideal der Kleinfamilie hinterherhecheln dürfen. Die Demo endete im Rathausinnenhof, wo verschiedene Gruppen und Parteien Infostände aufgebaut hatten. Es ist sehr bedauerlich, wie unpolitisch und geschichtsvergessen zumindest der CSD in Münster geworden ist. So konnte beispielsweise ein Stand Plakate ausstellen, auf denen Menschen in Deutschlandfahnen gehüllt waren, um darüber zu vermitteln, dass am Ende alle gleich seien. Nicht nur, dass diese positive Deutschlandbezug außer Acht lässt, dass tausende von Flüchtlingen an den Außengrenzen daran gehindert werden ein menschenwürdiges Leben zu führen. Selbst in Bezug auf die Eigeninteressenvertretung ist ein solcher Bezug absolut bekloppt. Der deutsche Staat verweigert seit Jahren Homosexuellen gleiche Rechte, das einzige Korrektiv darin stellt das Bundesverfassungsgericht dar.

Schade dass der CSD zu einer Veranstaltung geworden ist, die man leicht mit dem Eurocityfest verwechseln könnte, wären nicht so viele Regenbogenfahnen vorhanden.

 

OccupyGezi

Dei Solidemo für die Aktivist*innen in der Türkei hingegen war deutlich politischer geprägt. Ohne Trommelgruppe waren die Demonstrant*innen die komplette Zeit durch Parolen wahrnehmbar. Vom Servatiiplatz ging es durch die Innenstadt, mit Zwischenkundgebung vor dem Rathaus,weiter bis zumtürkischen Generalkonsulat.

her yer taksim

her yer taksim

Naja zumindest bis in die Nähe des Konsulats, denn seit Jahren wird die Straße vor dem Konsulat bei Demos hermetisch abgeriegelt und zur demofreien Zone erklärt. Im Gegensatz zur CSD-Demo war am Nachmittag auch Teile der Einsatzhundertschaft und Zivilbeamte vor Ort. Möglicherweise getrieben durch die Angst vor neuen Farbanschlägen.

Mindestens ein Demonstrant viel mehrfach durch das Zeigen des Grauen-Wolf-Grußes auf und wurde daran auch nicht gehindert. Auch die anwesenden Türkeifahnen erzeugten einen fahlen Beisgeschmack. Wir hoffen, dass dennoch der Großteil der Demonstrant*innen der mit uns darin übereinstimmen: Gegen jeden Nationalismus! Gegen jeden Staat!

polizeigewalt stoppen

polizeigewalt stoppen

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